Männer die auf Scherben starren

Als ich am Grabungsort ankomme, sind Vitali, Slava und Stas damit beschäftigt, Vitalis Grube zur Dokumentation herzurichten. Erst stehen und hocken sie grübelnd davor. Den Blick auf das Profil gerichtet, in welchem eine Menge Scherben stecken. Stas nimmt eine Kelle und kratzt etwas Erde weg; erst bei einer Scherbe, dann bei einer anderen. Er macht einen Schritt zurück, die drei blicken wieder auf die Wand. Ein paar Sätze auf Ukrainisch. Suchen sie nach etwas? Was geht in ihren Köpfen vor?

Stas steigt aus der Grube, Vitali holt die „Gloria“ (so ein Handsprühpumpending, mir will gerade der Fachbegriff nicht einfallen aber zum Glück kann ich ja hier einfach Zeichnungen hochladen) und sprüht feinen Wassernebel auf das Profil. Über Nacht war ist die Erde getrocknet und staubig geworden, durch die Feuchtigkeit werden nun unterschiedliche Erdfarbtöne, die Schichten bilden, deutlich.

Dann hocken Slava und Vitali wieder zehn Minuten schweigend davor. Sie reden kurz, lachen, fangen dann an zu diskutieren. Vitale zeigt auf eine der Schichten. Slava protestiert und zeigt auf einen anderen Teil der Schicht.

Dann wieder sitzen und schauen.

Stas fragt, ob er meine Zeichnungen sehen darf. Na klar. Als er das Bild von ihm und Slava in der Grube sieht, lacht er und erklärt, dass sie die Zeichnung vorbereiten, die Interpretation. Fotos hätten sie gestern schon gemacht und Fotos seien auch schön und gut aber eine Zeichnung könne Menschen, die nicht auf der Grabung waren, wichtige Aspekte viel besser veranschaulichen, als ein Foto.

Er erklärt, dass die Grube jetzt zur Hälfte freigelegt ist, sodass ein Querschnitt (wird hier von allen „Profil genannt“) entsteht. Die Grube gehört zu dem Ofen in der Mitte des Schnittes („Schnitt“ meint einen einzelnen Teil der Grabung, ein bestimmter Graben), an dem Slava die meiste Zeit arbeitet. Die „Geomagnetische Prospektion“ hatte dort viele Funde versprochen und so kam es dann auch. In der Grube, die Vitali also freigelegt hat und nun zeichnen wird, hat er zahlreiche verformte oder kaputte Keramik gefunden, also Abfälle vom Brennofen.

Ich bin schon gespannt, zu sehen, was Vitali dort sonst noch finden wird!

It’s early morning. Vitali, Slava and Stas are preparing Vitali’s pit for documentation. In the beginning they just stand and squat in front of the profile. Contemplating and looking at all the shards that stick out of it. Stas grabs a trowel and carefully scratches away some dirt from one of the shards. He takes a step back and they start staring at the wall again. Some Russian words. What are they looking for? What’s on their minds?

Stas leaves the trench, Vitali picks up a „Gloria“ (I don’t know the technical term but I can show you a picture) and starts to spray water onto the profile. During the night, the dirt has dried and become dusty. Now, the water brings out different earth tones, different layers start to appear.

After that, Vitali and Slava go back to squatting and staring. After 10 minutes one of them says something. They laugh. Then they start to discuss. Vitali points at one of the layers. Slava doesn’t seem to agree and points at a different part of the layer. Then again they look at it, silently.

Stas asks if he might have a look at my drawings. Of course. He laughs when he sees the picture of him and Slava sitting in the trench and explains, that they are preparing the drawing of the pits profile. They already took the photographs yesterday but a sketch is just much more useful to someone who’s never been at the site. A good drawing is so much better at transporting certain aspects.

He explains, that one half of the pit is now unearthed and that it belongs to the kiln in the middle of the trench. The geomagnetic prospection promised many finds. Most of them were damaged or distorted ceramics, supposedly garbage from the kiln.

I’m exited to see what else Vitali is going to find in his pit.

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